FOCUS-MONEY Heft 13/2026 Beste Finanzkraft LV und PKV
Kunden sollten bei ihrem Risiko- und Gesundheitsschutz sowie bei ihrer Altersvorsorge wissen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Denn die Verträge laufen oft über Jahrzehnte, da muss der Anbieter nachweislich erfolgreich wirtschaften können. Ein sehr gutes Indiz dafür ist die Finanzstärke der Versicherer
Stimmungsdämpfer zum Jahreswechsel“, so betitelt der Branchenverband GDV den aktuellen Konjunkturtest des Münchner Ifo-Instituts für die Versicherungswirtschaft. Der dort erhobene Geschäftsklimaindex geht deutlich zurück. Die aktuelle Geschäftslage wird zwar weiterhin als solide eingeschätzt, doch die Erwartungen fürs laufende Jahr drehen ins Minus. „Die Versicherer stehen wirtschaftlich auf einem guten Fundament, aber wir sind ein Spiegelbild der gesamten Volkswirtschaft“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Für 2026 rechnen viele Unternehmen daher mit anspruchsvolleren Marktbedingungen.“
Die Risiken nehmen zu. Doch mit solchen Herausforderungen muss die Branche klarkommen. Überwacht und gegebenenfalls im Einzelnen durch Eingriffe auch gesteuert wird dies von der Finanzaufsicht BaFin. Um anschauliche Bilder sind die Aufseher dabei neuerdings nicht verlegen. So bemühte BaFin-Präsident Mark Branson kürzlich bei der Vorstellung des Berichts „Risiken im Fokus“ ein Zitat des Mathematikers Benoît Mandelbrot: „Schiffbauer konstruieren nicht nur für 95 Prozent der Zeit, in der das Wetter mild ist, sondern auch für die übrigen fünf Prozent, in denen Stürme toben und ihre Fähigkeiten auf die Probe gestellt werden.“
Für die Wetterfestigkeit der Unternehmen nimmt die Ba- Fin daher dieses Jahr sechs Finanzmarktrisiken besonders unter die Lupe, etwa solche aus Kapitalmarktverwerfungen, Kreditausfällen, Immobilienmärkten oder Cyberangriffen. Hinzu kommen die drei Trends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und geopolitische Umbrüche, die den Finanzsektor tiefgreifend verändern. Speziell für Versicherer wird die Wohlverhaltensaufsicht intensiviert, wonach etwa die Lebensversicherer einen angemessenen Kundennutzen bieten müssen, die Kosten also nicht zu hoch sein dürfen.
Außer beim Kundennutzen will Julia Wiens, Chefin der Versicherungsaufsicht bei der BaFin, auch im Kapitalanlagerisikomanagement und beim Umgang mit künstlicher Intelligenz weitere Verbesserungen sehen. Ihre Aufgaben verglich sie kürzlich bildhaft mit denen der Verkehrspolizei, die für die Sicherheit auf den Straßen sorgt. Dazu lassen die Aufseher den Verkehr grundsätzlich fließen, erlauben an passenden Stellen auch ordentlich Beschleunigung, bremsen aber gezielt dort, wo es nötig ist. Wenig Spielraum sieht sie diesbezüglich bei den Kapitalanforderungen: „Das Risiko kurzfristiger Verwerfungen an den Kapitalmärkten ist hoch“, betont Wiens. „Gerade in diesen Zeiten sind ausreichende Kapitalpuffer wichtig.“
Nicht nur auf eine Kennzahl schauen. Wie chancenorientiert oder sicherheitsgebunden die einzelnen Versicherer dabei ihre Gelder anlegen dürfen, richtet sich nach dem europäischen Aufsichtsregime Solvency II. „Eine Steuerung allein nach Solvency-II-Quoten greift jedoch viel zu kurz“, sagt Susanna Adelhardt, Vorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung, der Vereinigung der deutschen Versicherungs- und Finanzmathematiker. FOCUS MONEY hat deshalb wieder die Bonitäts-Ratings renommierter internationaler und nationaler Analysehäuser aggregiert. Die untersuchen und bewerten nicht nur verschiedene Kennzahlen, sondern beziehen auch andere wichtige Faktoren wie etwa Geschäftsaussichten, Produktportfolio, Kundennutzen oder intensive Managementgespräche in ihr Urteil ein.

