FOCUS-MONEY Heft 31/2026 Geförderte Pflegeversicherung und Pflege-Kombi-Tarife
Das DFSI Deutsches Finanz-Service Institut hat für FOCUS MONEY den Markt für staatlich geförderte Förder-Pflege-Tarife und ergänzende Pflege-Kombi-Tarife analysiert. Die DFSI Ratings zeigen, welche privaten Pflegetagegeld-Policen die Versorgungslücke zwischen gesetzlicher Pflegeversicherung und realen Pflegekosten verkleinern können. Der Artikel bildet den Auftakt einer zweiteiligen Pflegetagegeld-Serie und betrachtet zunächst Pflege-Bahr-Produkte mit staatlichem Zuschuss sowie Kombitarife aus Förder-Pflege und ungefördertem Pflegetagegeld.
Die gesetzliche Pflegeversicherung steht vor erheblichen Finanzierungsproblemen und deckt im Pflegefall nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab. Der Artikel beschreibt eine erwartete Finanzierungslücke von 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2027, die ohne Korrekturen bis 2028 laut Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums auf rund 15,4 Milliarden Euro steigen könnte. Gleichzeitig müssen Pflegeheimbewohner im ersten Jahr der Heimunterbringung nach Abzug der Pflegezuschüsse im Schnitt rund 3.500 Euro monatlich selbst tragen. Besonders teuer ist stationäre Pflege laut Artikel in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 3.907 Euro im Monat, am günstigsten in Sachsen-Anhalt mit 2.973 Euro.
Für die Analyse der Förder-Pflege wurden 36 Versicherer angeschrieben; zwölf Gesellschaften sendeten den Fragebogen vollständig zurück. Untersucht wurden Tarife für Versicherte im Alter von 25, 35, 45 und 55 Jahren. Bewertet wurden neben den Tarifbedingungen auch die monatlichen Leistungen in den Pflegegraden 1 bis 5 bei ambulanter und stationärer Pflege sowie die Finanzstärke der Anbieter. Für die Tarifbedingungen bildete das DFSI einen Multiplikator aus neun Kriterien, darunter Wartezeit bei Unfall, Dynamik vor und nach Eintritt des Pflegefalls, Geltungsbereich, Wohnsitzverlegung ins Ausland, Mindestvertragsdauer, Optionen bei Zahlungsschwierigkeiten und Angabe des Rechnungszinses. Der Leistungs-Index wurde mit 70 Prozent und die Finanzstärke mit 30 Prozent gewichtet.
Im Gesamtergebnis der Förder-Pflege-Tarife erreichen Allianz und Debeka die Endnote „Hervorragend“. Weitere Anbieter wie ARAG, DKV, HanseMerkur, LVM und R+V schneiden mit „Sehr Gut“ ab. Bei den Tarifmerkmalen erhalten Allianz und ARAG die DFSI-Tarifnote „Hervorragend“, weil ihre Bedingungen aus Verbrauchersicht besonders kundenfreundlich ausgestaltet sind. Die Analyse zeigt zugleich die Grenzen der Förder-Pflege: Der Staat zahlt zwar fünf Euro monatlich beziehungsweise 60 Euro jährlich dazu, die volle Leistung ist aber häufig erst nach einer Wartezeit erreichbar und die Police ersetzt keinen vollständigen Vollkasko-Schutz für alle Pflegegrade.
Zusätzlich hat das DFSI Pflege-Kombi-Tarife untersucht, bei denen die staatlich geförderte Förder-Pflege mit einem ungeförderten Pflegetagegeld kombiniert wird. In der Gesamtwertung der Pflege-Kombi-Tarife erreichen Allianz und R+V die Endnote „Hervorragend“; ARAG, Debeka, DKV und LVM werden mit „Sehr Gut“ bewertet. Für die Tarifbedingungen der Kombitarife wurden elf Kriterien berücksichtigt, darunter Höchstalter, Wartezeiten, Dynamiken vor und nach Eintritt des Pflegefalls, weltweiter Geltungsbereich, Leistung bei Sucht oder Alkoholdemenz sowie Regelungen bei Zahlungsschwierigkeiten. Allianz, ARAG und R+V erzielen hier jeweils eine hervorragende Tarifnote.
Die DFSI Ratings verdeutlichen, dass private Pflegevorsorge stark vom Eintrittsalter, vom gewünschten Leistungsniveau und von den Tarifbedingungen abhängt. Förder-Pflege kann vor allem für jüngere Versicherte ein günstiger Einstieg in die private Pflegeabsicherung sein, während Pflege-Kombi-Tarife höhere Leistungen ermöglichen und die gesetzliche Pflegeversicherung gezielter ergänzen. Entscheidend sind dabei nicht nur Monatsbeitrag und staatlicher Zuschuss, sondern auch Leistungsstaffelung nach Pflegegrad, Dynamikregelungen, Wartezeiten, weltweiter Schutz, Finanzstärke des Versicherers und kundenfreundliche Optionen bei Zahlungsschwierigkeiten.

