FOCUS-MONEY Heft 33/2026 GKV - Finanzkraft
ANALYSEN & TESTS 07.08.2026

FOCUS-MONEY Heft 33/2026 GKV - Finanzkraft

Das DFSI Deutsches Finanz-Service Institut hat für FOCUS MONEY die Finanzkraft gesetzlicher Krankenkassen analysiert. Die DFSI Ratings zeigen, welche Kassen trotz steigender Gesundheitsausgaben, wachsender Zusatzbeiträge und politischer Reformdebatten wirtschaftlich stabil aufgestellt sind. Die Untersuchung ist besonders relevant, weil bereits einzelne Krankenkassen unterjährig Zusatzbeiträge erhöht haben und Versicherte bei einem Kassenwechsel zunehmend auch auf die wirtschaftliche Lage ihrer Wunschkasse achten sollten.

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt angespannt. Der Artikel beschreibt, dass das neue GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz Beitragserhöhungen vieler Krankenkassen voraussichtlich nicht verhindern wird. Der GKV-Spitzenverband warnte zuletzt vor einem drohenden Budgetloch von bis zu 23 Milliarden Euro; trotz Reform fehlen für 2027 weiterhin mindestens rund 3,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben im ersten Quartal 2026 deutlich: Krankenhäuser kosteten über neun Prozent mehr, Arztpraxen über sieben Prozent und Medikamente rund 6,5 Prozent mehr.

Für den Finanzstärke-Check fragte das DFSI bei 72 bundesweit und regional geöffneten gesetzlichen Krankenkassen sowie bei 21 nur bestimmten Versichertenkreisen zugänglichen Wettbewerbern Daten ab. Maßgeblich war das Jahr 2025. Insgesamt füllten 42 Krankenkassen den DFSI-Fragebogen vollständig aus und kamen in die Wertung. Bewertet wurden sechs Teilbereiche mit maximal 100 Punkten: Liquidität mit 25 Prozent Gewichtung, Nettovermögen mit 20 Prozent, Verwaltungskosten mit 12,5 Prozent, Verwaltungskosten-Deckungsbeitrag mit 12,5 Prozent, Mitgliederentwicklung mit zehn Prozent und Transparenz mit 20 Prozent.

Die Methodik berücksichtigt damit sowohl klassische Finanzkennzahlen als auch Effizienz und Offenlegung. Bei der Liquidität wurde geprüft, in welchem Verhältnis Barmittel, Giroguthaben, kurzfristige Anlagen und andere Geldanlagen zur durchschnittlichen Monatsausgabe stehen. Beim Nettovermögen wurden Betriebsmittel, Rücklagen und Verwaltungsvermögen ins Verhältnis zur Monatsausgabe gesetzt. Zusätzlich bewertete das DFSI Verwaltungskosten je Versicherten, Deckungsbeiträge, Mitgliederentwicklung von 2021 bis 2025 sowie die Veröffentlichung von Geschäftsberichten, Quartalsergebnissen und weiteren Rechnungslegungsangaben.

Im Ergebnis erreicht nur die BKK firmus die Bestnote „Hervorragend“ und kommt im Gesamt-Scoring auf 100 Punkte. Sechs weitere Krankenkassen werden mit „Sehr Gut“ bewertet: BKK Faber-Castell & Partner, BKK Public, BKK SBH, hkk Krankenkasse, TK – Techniker Krankenkasse und TUI BKK. Weitere Kassen schneiden mit „Gut“ oder „Befriedigend“ ab. Die Tabelle zeigt zugleich deutliche Unterschiede bei Liquidität, Nettovermögen, Verwaltungskosten, Mitgliederentwicklung und Transparenz.

Die DFSI Ratings machen deutlich, dass niedrige Beiträge allein kein ausreichendes Entscheidungskriterium für eine gesetzliche Krankenkasse sind. Eine wirtschaftlich solide Kasse braucht ausreichende Liquidität, belastbares Nettovermögen, effiziente Verwaltung, stabile oder wachsende Mitgliederzahlen und transparente Berichterstattung. Gerade in einem Umfeld steigender Gesundheitsausgaben und möglicher Zusatzbeitragserhöhungen schafft der Finanzkraft-Test eine wichtige Orientierung für Versicherte, die die Stabilität ihrer Krankenkasse besser einschätzen möchten.

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