FOCUS-MONEY Heft 32/2026 Klassische Pflegetagegeld-Policen
ANALYSEN & TESTS 31.07.2026

FOCUS-MONEY Heft 32/2026 Klassische Pflegetagegeld-Policen

Das DFSI Deutsches Finanz-Service Institut hat für FOCUS MONEY klassische Pflegetagegeld-Policen analysiert. Die DFSI Ratings unterscheiden dabei zwischen statischen und flexiblen Pflegetagegeld-Tarifen. Statische Tarife orientieren sich in der Regel am Pflegegrad 5 und kürzen die Leistungen in den niedrigeren Pflegegraden automatisch nach festen Prozentsätzen. Flexible Tarife ermöglichen dagegen, die Höhe des Pflegetagegelds in den Pflegegraden 1 bis 5 innerhalb bestimmter Grenzen individueller festzulegen.

Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung deckt im Pflegefall nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab. Der Artikel beschreibt eine erwartete Finanzierungslücke von 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2027, die ohne Korrekturen bis 2028 auf rund 15,4 Milliarden Euro steigen könnte. Gleichzeitig müssen stationär Pflegebedürftige im ersten Jahr der Heimunterbringung nach Abzug der Pflegezuschüsse durchschnittlich rund 3.500 Euro monatlich selbst tragen. Besonders teuer ist stationäre Pflege laut Artikel in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 3.907 Euro pro Monat, am günstigsten in Sachsen-Anhalt mit 2.973 Euro.

Für die Untersuchung wurden 36 Versicherer angeschrieben; 22 Gesellschaften sendeten den DFSI-Fragebogen vollständig zurück. Analysiert wurden Tarife für Versicherte im Alter von 25, 35, 45 und 55 Jahren. In die Bewertung flossen neben den Leistungen bei ambulanter und stationärer Pflege auch Tarifbedingungen und Finanzstärke ein. Zur Messung der Tarifqualität bildete das DFSI aus 37 Kriterien einen Tarifmultiplikator, unter anderem zu Wartezeiten, Dynamik vor und nach Eintritt des Pflegefalls, Assistance-Leistungen, weltweitem Geltungsbereich, Wohnsitzverlegung, Beitragsfreiheit, Sonderzahlungen und rückwirkenden Leistungen.

Ein zentrales Element der Methodik ist der Pflege-Leistungs-Index. Er zeigt, wie viel monatliche Leistung ein Tarif je Cent Beitrag bei Pflegebedürftigkeit bietet. Dabei wurden die Pflegegrade unterschiedlich gewichtet: Pflegegrad 1 mit 15 Prozent, Pflegegrad 2 mit 40 Prozent, Pflegegrad 3 mit 30 Prozent, Pflegegrad 4 mit zehn Prozent und Pflegegrad 5 mit fünf Prozent. Ambulante Leistungen wurden mit 85 Prozent, stationäre Leistungen mit 15 Prozent berücksichtigt. Der Leistungs-Index floss mit 70 Prozent, die Finanzstärke des Versicherers mit 30 Prozent in das Gesamtergebnis ein.

Bei den statischen Pflegetagegeld-Tarifen erreichen Allianz und HanseMerkur die DFSI-Endnote „Hervorragend“. Barmenia, DKV und R+V schneiden mit „Sehr Gut“ ab. Bei den flexiblen Pflegetagegeld-Tarifen zählen vor allem INTER und Württembergische über die betrachteten Altersstufen und Fallbeispiele hinweg zu den stärksten Anbietern. In der separaten Betrachtung der Tarifbedingungen erhalten unter anderem Allianz, AXA, Münchener Verein, Nürnberger, R+V, vigo und Württembergische die DFSI-Note „Hervorragend“.

Die DFSI Ratings zeigen, dass private Pflegetagegeld-Tarife sehr unterschiedlich konstruiert sind. Statische Tarife können eine klare Struktur bieten, bergen aber das Risiko, dass Versicherte in niedrigeren Pflegegraden weniger bedarfsgerecht abgesichert sind. Flexible Tarife erlauben eine individuellere Verteilung der Leistungen über die Pflegegrade hinweg. Für Verbraucher sind deshalb nicht nur Monatsbeitrag und Leistung in Pflegegrad 5 entscheidend, sondern auch Leistungsstaffelung, Dynamik, Wartezeiten, Assistance-Angebote, weltweiter Schutz, Beitragsfreiheit im Pflegefall und die Finanzstärke des Versicherers.

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