FOCUS-MONEY Heft 46/2025 GKV Wahltarife
REFERENZ 07.11.2025

FOCUS-MONEY Heft 46/2025 GKV Wahltarife

Wer die beiden Wahltarife „Selbstbehalt“ und „Beitragsrückerstattung“ clever mit dem Bonusprogramm kombiniert, kann als gesetzlich Krankenversicherter über drei Jahre hinweg fast 3549 Euro an Kassenbeitrag sparen. Bei welchen Krankenkassen der Mix am lukrativsten ist

Oliver Blatt weiß wohl um die Vorzüge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): „Die Solidargemeinschaft ermöglicht selbst teuerste Therapien bis hin zu einer Pille für eine Million Euro“, erklärt der Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands. Doch um die finanzielle „Gesundheit“ der GKV steht es schlecht. Allein die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen kletterten im ersten Halbjahr 2025 um 4,8 Milliarden Euro – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 9,6 Prozent. Dies attestieren aktuelle Halbjahreszahlen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). „Wir leisten uns eine Krankenhausversorgung, die (...) unglaublich viel Geld verschlingt, und das in Strukturen, die nicht effizient sind“, kritisiert GKV-Fachmann Blatt.

Mit dem demografischen Wandel und den steigenden Behandlungskosten in Deutschland kommen die aktuell 94 Krankenkassen pekuniär immer mehr unter die Räder. Vertraulichen Prognosen des BMG zufolge dürften den Krankenkassen im Jahr 2026 insgesamt rund vier Milliarden Euro in ihren Bilanzen fehlen. Und 2027 soll das Defizit gar auf zwölf Milliarden wachsen.
Vor diesem Hintergrund sei „eine Beitragsanpassung zum 1. Januar 2026 und möglicherweise auch für das Jahr 2027 absehbar“, erklärt Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, beispielsweise geht davon aus, dass der Zusatzbeitrag über alle gesetzlichen Kassen hinweg 2026 um 0,3 Prozentpunkte anziehen – und damit im Schnitt bei 3,2 Prozent rangieren dürfte. „Damit wären wir im nächsten Jahr im Schnitt bei 17,8 Prozent Kassenbeitrag“, bilanziert Baas. Die Beitragssätze in der GKV würden schon deshalb zum Jahreswechsel steigen müssen, weil viele Krankenkassen nicht mehr über die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven verfügten.

„Den Druck höherer Zusatzbeiträge am besten abfedern können gesetzlich Versicherte mit den sogenannten Wahltarifen Selbstbehalt oder Beitragsrückerstattung“, sagt Thomas Lemke, Chef des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) in Köln. Das Sparpotenzial sei beachtlich: „Abhängig vom jeweiligen Bruttogehalt des Mitglieds sind je nach Krankenkasse binnen drei Jahren Prämien von fast 3549 Euro drin“, bilanziert Kassen- Kenner Lemke. Die beste Sparstrategie sei es allerdings, Wahltarife gekonnt mit Bonusprogrammen zu verknüpfen

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